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Madhhab: die vier Rechtsschulen

Hanafi, Maliki, Schafii, Hanbali. Welche du hast, entscheidet meist die Herkunft.

Kareem C.
3 Min. Lesezeit

Ein Madhhab ist eine Rechtsschule: eine über Jahrhunderte ausgearbeitete Methode, aus Quran und Sunnah Regeln abzuleiten. Im sunnitischen Islam sind vier anerkannt, benannt nach den Gelehrten, auf die sie zurückgehen.

Woher das Wort kommt

Madhhab kommt von dhahaba, gehen. Wörtlich also: der eingeschlagene Weg, das Verfahren.

Genau deshalb halten Fachleute die deutsche Übersetzung Rechtsschule für ungenau und ziehen Fiqh-Schule vor. Es handelt sich nicht um verschiedene Rechtssysteme, sondern um Schulen, die auf denselben vier Quellen stehen und sich in der wissenschaftlichen Verfahrensweise unterscheiden, mit der sie aus mehrdeutigen Texten Regeln ableiten. Weil Rechtsschule im Deutschen eingebürgert ist, steht das Wort hier weiter, gemeint ist aber immer die Fiqh-Schule.

Die vier Schulen

  • Hanafi, nach Abu Hanifa, gestorben 767 in Bagdad. Verbreitet in der Türkei, auf dem Balkan, in Zentral- und Südasien. Die in Deutschland häufigste Schule, weil die meisten Gemeinden türkisch oder bosnisch geprägt sind.
  • Maliki, nach Malik ibn Anas, gestorben 795 in Medina. Verbreitet im Maghreb und in West- und Nordafrika.
  • Schafii, nach asch-Schafii, gestorben 820 in Ägypten. Verbreitet in Ostafrika, Südostasien, Teilen Ägyptens und im Jemen.
  • Hanbali, nach Ahmad ibn Hanbal, gestorben 855 in Bagdad. Verbreitet auf der arabischen Halbinsel.

Im Alltag

Die Unterschiede betreffen Einzelheiten, nicht Grundlagen. Alle vier lehren dieselben fünf Säulen und dieselben Glaubensartikel. Sie unterscheiden sich darin, wie die Hände im Gebet gehalten werden, was die Waschung bricht, ab welchem Bestand Zakat fällig wird oder wie die Reisestrecke berechnet wird, ab der man kürzen darf.

Die Gründer selbst haben einander geachtet. Überliefert ist, dass asch-Schafii sagte, seine Meinung sei richtig mit der Möglichkeit, falsch zu sein, und die des anderen falsch mit der Möglichkeit, richtig zu sein.

Die meisten Muslime folgen der Schule ihrer Gemeinde, ohne sie zu benennen. Wer in Deutschland aufgewachsen ist und in einer türkisch geprägten Moschee betet, folgt in der Regel der hanafitischen Praxis, auch wenn er das Wort nie gehört hat.

Nicht zu verwechseln mit

Den Glaubensschulen. Rechtsschule und Glaubensschule sind zwei verschiedene Einteilungen und decken sich nicht.

Häufige Fragen

Welche Schule habe ich? In der Regel die deiner Gemeinde oder Herkunftsregion. Wer es genau wissen will, fragt seinen Imam.

Muss man einer folgen? Die verbreitete Auffassung ist, dass jemand ohne die nötigen Voraussetzungen einer anerkannten Schule folgt, statt selbst abzuleiten. Ein Zwang zu einer bestimmten besteht nicht.

Darf man wechseln? Ja. Kritisiert wird das gezielte Zusammensuchen der jeweils bequemsten Regel aus allen Schulen.

Quellen

Verwandte Begriffe: Fiqh, Idschtihad, Aqida.

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Kareem C.

Kareem C. schreibt für die Redaktion des CommonsBlog. Die Beiträge entstehen aus Quellenarbeit, jeder Artikel führt seine Belege am Ende auf.

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