Die schafiitische Fiqh-Schule
Die Schule des Mannes, der die Methodenlehre des islamischen Fiqh geordnet hat.
Die schafiitische Schule geht auf Muhammad ibn Idris asch-Schafii zurück, geboren 767 in Palästina, gestorben 820 in Ägypten. Ihm wird zugeschrieben, die Methodenlehre des Fiqh als eigene Wissenschaft begründet zu haben.
Woher der Name kommt
Benannt ist sie nach asch-Schafii. Seine Risala war der erste Versuch, systematisch zu klären, in welcher Rangfolge Quran, Sunnah, Konsens und Analogieschluss herangezogen werden und wann ein Beleg einen anderen überwiegt. Diese Ordnung haben auch die übrigen Schulen aufgenommen, weshalb sein Einfluss weit über die nach ihm benannte Schule hinausreicht.
Wie die Schule entstand
Keine Schule ist an einem Tag gegründet worden, und keine trägt ihren Namen, weil ihr Namensgeber sie so genannt hätte. Die Reihenfolge war umgekehrt: Ein Gelehrter unterrichtete, seine Schüler schrieben mit, ordneten die Urteile und arbeiteten die Regeln heraus, nach denen er entschieden hatte.
Deshalb gab es zunächst Dutzende solcher Kreise, und nur vier haben überdauert. Sufyan ath-Thauri und al-Auzaʿi etwa waren angesehene Gelehrte, aber ihnen fehlte, was eine Schule im praktischen Sinn ausmacht: Schüler, die die Urteile festhielten und die Positionen über Generationen verteidigten. Ibn Radschab hat es so erklärt, dass die übrigen Schulen weder weit bekannt noch genau dokumentiert waren, sodass ihnen später Aussagen zugeschrieben wurden, die sie nie gemacht hatten.
Bei den Schafiiten haben ihn Schüler wie al-Muzani und ar-Rabiʿ ibn Sulaiman weitergetragen; ar-Rabiʿ hat die Risala überliefert. Später haben an-Nawawi und ar-Rafiʿi die Schule geordnet, und wo diese beiden übereinstimmen, gilt ihre Auffassung bis heute als maßgeblich.
Woran man die Methode erkennt
Asch-Schafii hatte einen ungewöhnlichen Bildungsweg: Schüler von Malik ibn Anas in Medina, später vertraut mit der irakischen Richtung, zuletzt tätig in Ägypten. Daraus ergibt sich das Kennzeichen der Schule:
- Der Text steht vor dem Ermessen. Wo ein gültiger Bericht vorliegt, wird ihm gefolgt. Den Vorzug einer praktikableren Ableitung, wie ihn die Hanafiten kennen, hat asch-Schafii ausdrücklich zurückgewiesen.
- Klare Bedingungen für die Annahme eines Berichts. Er hat als Erster genau bestimmt, wann ein Einzelbericht als Beleg taugt, statt das dem Urteil des Einzelnen zu überlassen.
- Alte und neue Lehre. In Ägypten hat er seine früheren Ansichten so gründlich überarbeitet, dass man zwischen beiden unterscheidet. Maßgeblich ist die spätere.
Wo sie verbreitet ist
In Ägypten, Ostafrika, im Jemen, in Südindien, Indonesien und Malaysia sowie unter Kurden und Tschetschenen. In Deutschland folgen ihr vor allem kurdische, tschetschenische und indonesische Gemeinden.
Im Alltag
Ein bekanntes Merkmal betrifft die Gebetswaschung: Nach schafiitischer Auffassung wird sie durch die Berührung einer nicht verwandten Person anderen Geschlechts hinfällig. Der Grund liegt in einem einzigen Wort in Quran 5:6. Es kann körperliche Berührung oder Beiwohnung bedeuten, und die Schulen entscheiden sich unterschiedlich. Beide stützen sich dabei auf denselben Vers und auf gültige Überlieferungen, sie lesen sie nur anders. Das ist ein Musterfall dafür, wie Unterschiede zwischen den Schulen zustande kommen.
Nicht zu verwechseln mit
Einer strengeren oder milderen Richtung. Jede Schule ist an manchen Punkten enger und an anderen weiter als die übrigen.
Häufige Fragen
Was ist die Risala? Asch-Schafiis Schrift zur Methodenlehre und der Beginn dieses Fachs als eigene Wissenschaft.
Warum gibt es zwei Lehrmeinungen von ihm? Weil er seine Ansichten in Ägypten überarbeitet hat. Maßgeblich ist in der Schule die spätere.
Wie finde ich heraus, was meine Schule zu einer Frage sagt? Über die eigene Gemeinde oder eine Fatwa von jemandem, der die Frage und den Zusammenhang kennt.
Quellen
- Zur Bezeichnung: „Fiqh-Schulen" nicht „Rechtsschulen", Islamologisches Institut.
- Zur Entstehung und zum Verhältnis von Usul und Furuʿ: Emad Hamdeh, What is a Madhhab, Yaqeen Institute, 2020.
- Warum gerade diese vier: Faraz Rabbani, Why Are There Four Schools of Islamic Law, SeekersGuidance.
Verwandte Begriffe: Fiqh-Schulen, Fiqh, Mufti.
Kareem C.
Kareem C. schreibt für die Redaktion des CommonsBlog. Die Beiträge entstehen aus Quellenarbeit, jeder Artikel führt seine Belege am Ende auf.